Und es kam der Tag, da das Risiko, in der Knospe zu verharren, schmerzlicher wurde als das Risiko, zu blühen.
Anaïs Nin

Vielleicht hast du das schon einmal gesehen – eine Knospe, die gerade so am Aufbrechen, am Aufplatzen ist… die zarten Blütenblätter noch zusammengepresst, zerknittert und eingefaltet in der Knospe.

Die harte schützende Schale umgibt noch alles, ein letztes klammerndes Zusammenhalten – noch sind die Blütenblätter nicht frei gegeben, aber es lässt sich nicht mehr verhindern.

Das ist der Lauf der Dinge – die Blume, der Baum muss blühen – und die Blüte wird aufblühen und später verwelken und es werden Früchte daraus entstehen. Es ist ein ewiger Kreislauf…

… und ich kann nicht anders, als mich endlich hinein zu begeben.

Es ist immer ein bisschen schwierig, an etwas anzuknüpfen, das viele Monate (Jahre) brach gelegen hat. Je länger ich mit einem Neuanfang warte, umso unermesslich größer werden die Ansprüche an mich selbst und diese Last ist erdrückend.

Ich könnte von dem trüben Februartag berichten, an dem ich aufgehört habe, meine Bilder zu malen und von den Wochen danach, an denen mich meine Farben und Stifte angestarrt haben, bis ich sie letztendlich weggeräumt habe.

Ich könnte von dem Abenteuer berichten, das es ist, wenn man endlich endlich wieder lernt, mit der linken Hand zu schreiben. Als Kind wurde mir das in der Schule verboten. Ich gehöre zu den letzten Jahrgängen, die dazu gezwungen wurden, mit der guten Hand, der rechten Hand zu schreiben. Ich könnte von dem Schmerz berichten, der dadurch entstanden ist, dem Schmerz, nicht richtig zu sein.

Ich könnte von der Unordnung in meinem Kopf berichten, die diese Befreiung der linken Hand nach sich gezogen hat. Nichts ist mehr an dem Platz, an dem es einmal war. Noch ist es eine Herausforderung, mit dieser inneren Unruhe leben zu lernen.

Ich könnte von dem Abenteuer berichten, das die Neurographik mit sich bringt… endlich meine Panik, meinen Zweifel, meine Wut, meine Angst selbst beruhigen zu können. Mich selbst in eine ausgeglichenere Lage bringen zu können, neue Ideen zu bekommen, buchstäblich neue Gedanken zu zeichnen, das gesamte Unterbewusstsein umkrempeln zu können – so unglaublich es klingt, aber eine Handvoll Buntstifte ist das krasseste Werkzeug, das mir je untergekommen ist.

Ich könnte von meinem neuesten Abenteuer berichten, mir ein digitales zweites Gehirn zu erschaffen. Das wird mir helfen, diese Unruhe im Kopf zu ordnen. Ich könnte von Notion berichten, mit dem ich dieses zweite Gedächtnis aufbaue und was das für einen Unterschied macht, Dinge endlich im Blick zu haben…

Ich könnte all das erzählen… und noch so viel mehr.

So viele zerknitterte Blütenblätter warten noch auf ihre Entfaltung.

Warum also gerade jetzt?

Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren. Die nächstbeste Zeit ist jetzt.
Aleksej Andreevic Arakceev

Weißt du was?

Ich werde das alles erzählen. Ich will wieder aufblühen. Ich kann gar nicht anders.

Hallo Welt! Ich bin wieder da.

Deine Claudia

 

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